Social Media Marketing von Terrorgruppen

Mit Social Media Marketing kann nicht nur Gutes beworben werden. Diverse Beispiele zeigen, dass Social Media Marketing leider auch für Terrorgruppen nützlich sein kann.

Etwa bei der Attacke im Westgate-Einkaufszentrum in Nairobi 2013 mit Dutzenden Toten: Die Terrorgruppe al-Shabaab twitterte live während dem Terrordrama. „Sie machten sich über das kenianische Militär lustig, sie verteidigten das Massaker und drohten noch mehr Blutvergiessen an.“ Mit dem Attentat selbst hatten sie zwar die viel grössere Aufmerksamkeit als durch die Tweets, doch konnten sie mit den Tweets ihre Botschaft verbreiten, die sie mit der Attacke hatten aussenden wollen (Hinnant, und Aussagen von J.M. Berger 2013).

Ein anderes Beispiel ist die Terrorgruppe IS. Ihre Propagandavideos werden immer professioneller und sind unterdessen bereits Computerspielen und Videoclips nachempfunden. In früheren Videos wurden die möglichen Mitkämpfer eher direkt angesprochen, beispielsweise von einem deutschen Dschihadisten in Syrien, der zur Unterstützung im Kampf aufforderte. In den neuen Videos geht es um „die emotionale Identifizierung; dieses Computerspiel ist echt und du kannst dabei sein.“ (Maier 2014)

Mit ihrer massiven Propaganda-Offensive im Internet will die IS die Gegner einschüchtern, aber eben auch Sympathisanten finden. Die Zielgruppe sind nicht nur Personen aus arabischen Ländern, sondern auch aus Europa und den USA (Steudel 2014).

Unterdessen hört man auch immer öfter von Schweizern, vor allem Jugendlichen, die sich der IS oder anderen Terrorgruppen anschliessen und mitkämpfen wollen. Laut Mansour (Garne, Interview 2015) fühlen sich Jugendliche, die nach Orientierung, Halt oder Aufgaben suchen, vom radikalen Islam angesprochen. Ahmad Mansour war früher selber Islamist, ist jetzt Psychologe und betreut in Berlin Dschihad-Rückkehrer und ihre Angehörigen. Das Interview mit ihm finde ich sehr spannend und es lohnt sich es hier nachzulesen.

Ich denke, auch für Nachrichtenmedien ist die Entscheidung, was gezeigt wird, nicht einfach, sobald Terrorgruppen beteiligt sind. Oder wenn neue Propagandavideos auftauchen. Da man einerseits darüber berichten möchte und sollte, aber andererseits den Terrorgruppen dadurch zu noch mehr Aufmerksamkeit verhilft.

Ein schwieriges Thema, denn soziale Medien haben immer den Vor- und Nachteil, dass ein Grossteil der Bevölkerung Zugriff darauf hat und auch selber Inhalte verbreiten kann. So können leider auch Kriegsparteien für sich werben.

(Über die Grenzen der Zensur im Netz berichten übrigens drei KommilitonInnen von uns hier)

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